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Freitag, 10. Februar 2012 20:55:43 Uhr

Software macht Laptop zum Simultanübersetzer – “Der Tag wird kommen, da wir menschliche Performance erreichen”

Das Notebook, Simultanübersetzer der Zukunft (Foto: pixelio.de, Andreas Morlok)

Forscher am Karlsruhe Institute of Technology (KIT) und Partnerinstitutionen haben eine Software entwickelt, mit der ein einfacher Laptop zum Simultanübersetzer wird. “Wir haben bereits ein System, dass meine Vorlesungen so gut übersetzt, dass ein Spanier ihnen folgen kann”, sagt Alex Waibel, Professor am Institut für Anthropomatik des KIT http://www.informatik.kit.edu/1323.php.

Der Prototyp zeigt das Potenzial computerisierter Simultanübersetzung. Zwar werden Computer mit sprachlichen Feinheiten immer Probleme haben, wie der Informatiker einräumt. Doch mit adaptiven Systemen könne das weitgehend in den Griff bekommen werden, während die Maschine keine Probleme mit der Informationsmenge haben sollte. “Der Tag wird kommen, da wir menschliche Performance erreichen”, meint daher Waibel.

Adaptive Lösungen für komplexe Aufgabe

Im Vergleich zu reinen Textübersetzungen wie etwa mit Google Translate ist die Simultanübersetzung ein noch deutlich komplexeres Problem. “Bei gesprochener Sprache wird die Satzstruktur nicht unbedingt korrekt eingehalten”, nennt der Experte ein Beispiel. Diese Tatsache bildet für Computersysteme ebenso einen Stolperstein wie unsaubere Aussprache. “Simultanübersetzung ist aber ein sehr schweres Problem, wo auch der Mensch nicht perfekt ist”, sagt Waibel. Insbesondere könne die kognitive Geschwindigkeit zum Problem werden.

Genau damit haben Computersysteme nicht zu kämpfen. Im Gegenteil, die Forscher setzen darauf, dass sich adaptive Systeme praktisch in Echtzeit spezialisieren können. Mit Informationen wie den Texten einer Powerpoint-Präsentation kann online nach ähnlichen Texten gesucht werden, um so zusätzliche Fachbegriffe zu lernen und die Übersetzungsqualität zu verbessern. Das habe letztendlich Ähnlichkeiten mit der themenspezifischen Vorbereitung, die auch für menschliche Übersetzer nötig ist, so Waibel. Auch die Anspassung an verschiedene Sprecher sei mittels adaptiven Methoden möglich.

Günstige Verständigungsmöglichkeit

Zwar ist Waibel selbst überzeugt, dass menschliche Übersetzer für wichtige Ereignisse die erste Wahl bleiben werden, wenn die Kosten nur eine untergeordnete Rolle spielen. Das liegt am besseren Tiefenverständnis von Sprache. “Ansonsten ist ein System mit kleinen Macken aber deutlich besser als gar keines”, betont er. Er verweist auf Uni-Vorlesungen oder wissenschaftliche Tagungen als Fälle, wo Computer die Verständigung ermöglichen können. Zur Wiedergabe wird beispielsweise an Lautsprechern mit stark gerichteten Tönen für einzelne Hörer gearbeitet, dank denen in mehrere Sprachen gleichzeitig übersetzt werden könnte.

Neben dem Vorlesungssystem, das vom Englischen ins Spanische übersetzt, gibt es auch einen etwas allgemeiner gehaltenen Prototypen für Deutsch-Englisch-Übersetzungen. Außerdem existieren Beispiele, wie gut Parlamentsdebatten übersetzt werden können. Die Software wird kommende Woche auf der CeBIT im Rahmen des future parc http://www.cebit.de/futureparc_d vorgeführt. Die Forscher hoffen, schon in vier Jahren ein Simultanübersetzungssystem als marktreifes Produkt anbieten zu können.

TBF am 1. März 2010, 09:10 Uhr

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