BKA: Neue Studie der WEISSER RING Stiftung zeigt: Opfer werden im Ermittlungsverfahren oft zusätzlich belastet » hier-luebeck - Das interaktive, älteste Online-Magazin für Lübeck und Umgebung seit 1999

Anmelden

hier-luebeck

Das interaktive, älteste Online-Magazin für Lübeck und Umgebung seit 1999

Donnerstag, 17. Oktober 2019 05:15:27 Uhr

BKA: Neue Studie der WEISSER RING Stiftung zeigt: Opfer werden im Ermittlungsverfahren oft zusätzlich belastet

Wiesbaden (ots) – Kriminalitätsopfer und Angehörige von Opfern fühlen sich von Polizei und Staatsanwaltschaft nicht immer angemessen behandelt. Dies zeigt eine neue Studie, die von der WEISSER RING Stiftung in Auftrag gegeben wurde. Die Stiftung fordert die Ermittlungsbehörden auf, gegenzusteuern. „Die Opferschutzbeauftragten bei der Polizei müssen gestärkt werden“, sagte Roswitha Müller-Piepenkötter, Vorsitzende des Stiftungskuratoriums, bei der Vorstellung der Studie im Bundeskriminalamt (BKA) Wiesbaden. Darüber hinaus müssten Polizisten und Staatsanwälte intensiver für die Perspektive des Opfers sensibilisiert werden – „am besten schon in der Aus-, und dann in der Weiterbildung“, so Müller-Piepenkötter. Die Studie wurde von einem Forscherteam der Universitäten Heidelberg und Gießen sowie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit Mannheim durchgeführt. Die Forscher analysierten unter anderem 178 Strafakten mit 251 Erhebungsbögen, führten 87 qualitative Interviews mit Opfern und Angehörigen, werteten 320 an Opfer gerichtete Fragebögen aus und nahmen an Gruppengesprächen mit Polizisten, Anwälten, Opferhelfern und Therapeuten teil. Die Ergebnisse geben Einblick in die Belastungen vieler Opfer während eines Ermittlungsverfahrens: Laut Strafaktenanalyse dauerten Vernehmungen oft länger als zwei Stunden, vielfach kam es zu Mehrfachvernehmungen. Darüber hinaus war bei weniger als zwei Prozent aller Vernehmungen ein Rechtsanwalt des Opfers dabei. In den Interviews gaben Betroffene zu Protokoll, dass sie sich oft rechtfertigen mussten oder Ermittler die Privatsphäre nicht beachteten. Die Analyse der Fragebögen zeigt, dass sich 52 Prozent der Befragten über den Verfahrensstand und 50 Prozent über ihre Rechte nicht genug informiert fühlten. 41 Prozent erhielten ihrer Meinung nach zu wenige Informationen über Hilfsmöglichkeiten. „Die Ergebnisse zeigen deutlich, wie sehr ein Ermittlungsverfahren ein Opfer noch zusätzlich zur Tat an sich belasten kann“, sagte Jörg Ziercke, Präsident des BKA a. D. und stellvertretender Bundesvorsitzender des WEISSEN RINGS. Natürlich sei es Aufgabe der Ermittlungsbehörden, nach einer Straftat die Wahrheit herauszufinden. Dass Opfer hierfür gegebenenfalls mehr als einmal befragt werden müssten, sei unausweichlich. „Allerdings stehen Ermittler hierdurch umso mehr in der Pflicht, mit aller Behutsamkeit vorzugehen und frühzeitig zu erkennen, wie weitere Belastung für ohnehin schon traumatisierte Menschen vermieden werden kann“, betonte Ziercke. Peter Henzler, Vizepräsident beim BKA: „Menschen, die Opfer von Straftaten geworden sind, sind meist die wichtigsten, teilweise gar die einzigen Zeugen. Sie sind für uns als Ermittler oft die ersten, deren Aussage wir aufnehmen. Das bedeutet auch, dass Polizistinnen und Polizisten zu den ersten Ansprechpartnern zählen, auf die Opfer von Kriminalität unmittelbar nach dieser einschneidenden Erfahrung treffen. Wir müssen uns daher immer wieder bewusst machen, dass das, was für uns tägliches Geschäft ist, für die Opfer meist eine bislang unbekannte, absolute Ausnahmesituation darstellt.“ Obwohl der Umgang mit Opferzeugen in die Aus- und Fortbildung der Polizeibeamtinnen und -beamten einfließt, gebe es laut Henzler hierfür kein Patentrezept. „Vielmehr benötigt man ein hohes Maß an Feingefühl und Erfahrung, um auf die Ängste und Bedürfnisse von Opferzeugen einzugehen.“ Kuratoriumsvorsitzende Müller-Piepenkötter sah auch das Problem, dass Opfer im Ermittlungsverfahren zu oft auf sich allein gestellt sind. „Wichtig ist, dass Betroffene von Anfang an jemanden an ihrer Seite haben, der ihre Rechte vertritt und der sie über das, was gerade passiert, aufklären kann.“ Aus diesem Grund fordert die WEISSER RING Stiftung die Satzungsversammlung der Bundesrechtsanwaltskammer auf, den Fachanwalt für Opferrechte einzuführen. „Dies würde die nötigen Rahmenbedingungen schaffen“, so Müller-Piepenkötter. Die komplette Studie kann über die Website www.weisser-ring-stiftung.de abgerufen werden.

Quelle: presseportal.de

Bible verse of the day

Ein fröhliches Herz tut dem Leibe wohl; aber ein betrübtes Gemüt lässt das Gebein verdorren.
 

Kalender

Oktober 2019
S M D M D F S
« Sep    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
2728293031  

Stichwörter

Kategorien

Archive

RSS RSS-Feed

  • Mehr Flüchtlinge im September als vor einem Jahr
    Schleswig-Holstein hat im September mehr neue Flüchtlinge aufgenommen als im Vorjahresmonat. Dies geht aus dem jüngsten Monatsbericht des Landesamts für Ausländerangelegenheiten hervor. Demnach kamen im September 350 Flüchtlinge, im September 2018 waren es noch 326 gewesen. Im Vergleich zum August k
  • Jamaika-Koalition begrüßt Fortschritt bei Grundsteuer-Reform
    Vertreter der Jamaika-Koalition in Schleswig-Holstein haben den Durchbruch bei der geplanten Reform der Grundsteuer begrüßt. "Es ist gut, wenn die FDP-Bundestagfraktion jetzt erkannt hat, dass die staatstragenden Parteien für die Sicherung dieser wichtigen Einnahmequelle der Kommunen zusammenstehen
  • AfD-Gründer - Uni Hamburg: Proteste verhindern Vorlesung von Bernd Lucke
    Hamburg (dpa) - Mehrere hundert Demonstranten haben an der Universität Hamburg die erste Vorlesung von AfD-Mitbegründer Bernd Lucke seit dessen Rückkehr an die Hochschule verhindert. Immer wieder riefen Aktivisten in einem Hörsaal des Uni-Hauptgebäudes "Hau ab", einige bewarfen den Wirtschaftswissen
  • HSV: Grieche Kyriakos Papadopoulos will HSV verlassen
    Ob Hamburger SV, FC St. Pauli, Hamburg Towers oder die vielen kleineren Sportvereine in Hamburg: Sport spielt in der Stadt eine riesige Rolle – auch abseits des Fußballs. In  unserem Live-Blog finden Sie ab sofort alle Informationen zum Lokalsport. 16.05 Uhr: Kyriakos "Papa" Papadopoulos macht bei U
  • Mutmaßlicher Handtaschenräuber in Untersuchungshaft
    Rund eine Woche nach einem Handtaschenraub in der Lübecker Innenstadt hat ein Haftrichter gegen einen 32 Jahre alten Mann Haftbefehl erlassen. Der Mann, der bereits am Sonntag festgenommen wurde, stehe im Verdacht, sich am 7. Oktober einer Frau auf einem Fahrrad genähert und ihr die Handtasche entri
  • Fest verankert: Geldautomat hält Attacke stand
    Unbekannte Täter haben am Mittwoch auf einem Supermarktparkplatz in Heiligenhafen im Kreis Ostholstein versucht, mit einem Fahrzeug einen Geldautomaten aus seiner Wandverankerung zu reißen. Der Versuch scheiterte, stattdessen ging das Fahrzeug in Flammen auf, teilte die Polizei mit. Ob der Transport
  • FC St. Pauli: Diamantakos und Abwehrchef Lawrence wieder fit
    Fußball-Zweitligist FC St. Pauli kann im Heimspiel gegen den SV Darmstadt 98 möglicherweise wieder auf Dimitrios Diamantakos und James Lawrence bauen. Der griechische Torjäger Diamantakos und der walisische Abwehrchef Lawrence haben ihre Blessuren soweit auskuriert und meldeten sich im Mannschaftstr
  • Ansiedlung von japanischem Konzern gefördert
    Das Land Brandenburg fördert die Ansiedlung eines internationalen Unternehmens in der Lausitz. Für die Errichtung einer Produktionsanlage für Nahrungsergänzungsmittel des japanischen Konzerns Fuji Oil stellt das Wirtschaftsministerium nach eigenen Angaben 1, 35 Millionen Euro bereit. Wirtschaftsminis
  • Abschluss der Beachvolleyball-Major-Serie 2020 in Hamburg
    Die weltbesten Beachvolleyball-Asse machen auch 2020 wieder in Hamburg Station. Wie der Weltverband FIVB und die Veranstalter der Beach Volleyball Major Series am Mittwoch bekanntgaben, findet das 5-Sterne-Turnier im kommenden Jahr vom 19. bis 23. August in der Hansestadt statt. Gespielt wird der Ab
  • Warum der Buß-und Bettag kein Feiertag mehr ist
    Nur einige Jahre lang war der Buß- und Bettag in Nachkriegsdeutschland ein gesetzlicher Feiertag. 1995 wurde der letzte Mittwoch im evangelischen Kirchenjahr als arbeitsfreier Tag abgeschafft. Grund dafür war die neu eingeführte Pflegeversicherung. Buß- und Bettag: Pflegeversicherung geht vor Im Jah

Polls

Wird sich Frau Dr. Merkel noch bis zum Ende der Legislaturperiode als Kanzlerin halten?

Ergebnisse

Loading ... Loading ...

RSS-Feed

RSS-Feed abonnieren

Öffnen Sie eine Kategorie, für Kategorie RSS-Feeds