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Montag, 27. Januar 2020 09:37:22 Uhr

BUND fordert Stopp des Flächenfraßes – Umweltministerkonferenz in Kiel muss Handeln

Zum Treffen der Umweltminister fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) den Stopp des Flächenfraßes. Täglich gehe in Deutschland wertvolle Natur verloren, weil sich die industrielle Landwirtschaft ausweite und unnötig Verkehrswege oder Industrieanlagen in die Landschaft gebaut würden.

Die Umweltminister der Länder müssten endlich ihre Hausaufgaben machen. Noch immer übersteige der Flächenverbrauch die Wiederherstellungsquote von Flächen. „Gerade unser grüner Umweltminister als Vorsitzender der Umweltministerkonferenz in Kiel muss auf bundesweit hohe Qualitätsmaßstäbe und eine erfolgreiche Regeneration bereits zerstörter Umwelt dringen“, so BUND-Landesgeschäftsführerin Dr. Ina Walenda. „Leider ist Schleswig-Holstein bundesweit trauriger Spitzenreiter bei der Flächenversiegelung. Schleswig-Holstein muss endlich mit gutem Beispiel voran gehen und bereits jetzt das 0-Hektar-Ziel beim Flächenverbrauch anvisieren. Jeder weitere Quadratmeter Asphalt auf einer vorher unversiegelten Fläche ist einer zu viel.“

Im nördlichsten Bundesland gingen Tag für Tag 4,2 Hektar unverbauter Boden für neue Siedlungs- und Verkehrsflächen verloren. Schleswig-Holstein habe den höchsten Zuwachs bei der Flächenversiegelung bundesweit. Der stetige Zuwachs an Siedlungs- und Verkehrsflächen führe zu negativen Folgen für den Wasserhaushalt, die Artenvielfalt und die Bodenfunktion und vernichte dauerhaft wertvolle Flächen für die Landwirtschaft.

Schäden, die bis zum Erreichen des 0-Hektar-Ziels noch entstünden, müssten konsequent durch tatsächliche Naturschutzmaßnahmen kompensiert werden. „Es gilt, den Rahmen des gesetzlich Möglichen voll auszuschöpfen, um endlich ernst mit dem Schutz von Natur und Landschaft zu machen. Gelegenheit dazu gibt die neue Kompensationsverordnung des Bundes, die laut Bundesumweltministerium dieses Jahr fertig gestellt werden soll. Sie schreibt erstmals bundeseinheitliche Kriterien zum Ausgleich und Ersatz von Schäden an der Natur vor, die durch Siedlungs- und Straßenbau entstehen“, so Magnus Wessel, Naturschutzexperte des BUND-Bundesverbandes.

Bei Ausgleich und Ersatz müsse die Dauerhaftigkeit und direkte Wirksamkeit der Naturschutzmaßnahmen gesichert werden, denn was dauerhaft zerstört werde, müsse auch dauerhaft wiederhergestellt werden. Dies betreffe insbesondere die sogenannten „Produktionsintegrierten Maßnahmen“ (PIK), die als ein Lösungsansatz gesehen werden, um auftretende Flächenkonkurrenzen zwischen Landwirtschaft und Naturschutz zu minimieren. Dabei wird Naturschutz auch auf Flächen geschaffen, die weiter weitestgehend normal bewirtschaftet werden und heute zum Beispiel eine reine Mais- oder Rapswüste sind.

Der BUND kritisierte, dass in diesem Zusammenhang von Gegnern der Eingriffsregelung die Kompensationsflächen des Naturschutzes als „Flächenverbrauch“ bezeichnet würden. Es handele sich im Gegensatz zu asphaltierten oder bebauten Flächen um naturnahe Biotopflächen mit positiven Wirkungen für Fauna und Flora, den Grundwasserschutz und die Bodenfruchtbarkeit. Diese Flächen dienten der Strukturverbesserung in ausgeräumten landwirtschaftlichen Fluren, als Rückzugsraum für Wildtiere und als Lebens- und Nahrungsraum für bestäubende Insekten. Somit profitiere davon auch die Landwirtschaft ganz unmittelbar von den Ausgleichsflächen.

Hintergrund

Stand: 14. November 2012

Flächenverlust in Schleswig-Holstein

Obwohl die Bevölkerung in Deutschland schrumpft, verliert unser Land jedes Jahr über 30.000 Hektar Felder, Wiesen und Wälder – und damit unersetzliche Lebensräume für zahllose Arten. Immer noch gehen jeden Tag ca. 90 ha Landschaft in Deutschland durch Gewerbe-, Siedlungs- und Infrastrukturmaßnahmen verloren. Der dauerhafte Verlust von Natur und Landschaft, von Lebensräumen, Agrar- und Waldflächen durch Straßen und Siedlungen gehört damit weiterhin zu den gravierendsten Umweltproblemen.

Auch in Schleswig-Holstein gehen Flächen während der letzten 50 Jahre vermehrt verloren(ca. 8 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche).

Die Ursachen sind eindeutig:

Zwei Drittel des Verlustes wurden durch Siedlungsflächen verursacht. Der Umfang dieser Nutzung ist um rund 60.000 Hektar auf das 2,5-fache von 1960 angestiegen. Von diesen nehmen Wohnbauflächen wiederum den größten Teil ein.

Straßen, Wege und andere Verkehrsinfrastruktur haben um 25 Prozent zugenommen. Sie sind nur für 14 Prozent der Landwirtschafts-Verluste verantwortlich.

Naturschutzflächen spielen in der Landschaft nur eine marginale Rolle: Mit einem Anteil von 2,99 % an der Landesfläche liegt der Flächenanteil der Naturschutzge- biete in Schleswig-Holstein unter dem Durchschnitt aller Bundesländer. Zum weit überwiegenden Teil überlagern sich Naturschutzgebiete mit FFH- und/oder Vogel- schutzgebiete. In den meisten Gebieten findet zudem weiterhin eine Land- oder Forstwirtschaftliche Nutzung statt, so dass

Von insgesamt 25.000 ha Kompensationsflächen liegen etwa 4.450 ha in Schutzgebieten, etwa 15.700 ha werden weiterhin landwirtschaftlich genutzt. Das Verhältnis von Eingriffsflä- chen zu Kompensationsflächen liegt in Schleswig-Holstein bei rund 3:2.[1]

Bundeskompensationsverordnung


[1] Quelle: Kasseler Institut für ländliche Entwicklung e.V (2012): Flächenkonkurrenz in Schleswig-Holstein und Möglichkeiten zur Minderung des Flächenverbrauchs Analyse und Handlungsempfehlungen

 

 

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