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Montag, 19. August 2019 00:20:11 Uhr

„Gnädiger miteinander umgehen und mit der Welt“: Bischöfin Kirsten Fehrs in ihrem Einführungsgottesdienst im Lübecker Dom

„Gnädiger miteinander umgehen und mit der Welt“: Bischöfin Kirsten Fehrs in ihremEinführungsgottesdienst im Lübecker Dom – Lübeck/Hamburg (nr). Die neue nordelbische Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck, Kirsten Fehrs, hat heute (Sonnabend, 26. Nov.) in ihrem Einführungsgottesdienst im Lübecker Dom die Vision eines Gnadenjahres entworfen.In Anlehnung an Jesus erste öffentliche Predigt in seiner Heimatstadt Nazareth und die darin zitierten Worte des Propheten Jesaja „Der Geist des Herrn ist auf mir, zuverkündigen das Evangelium den Gefangenen, dass sie frei sein sollen und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn“, sagte die Bischöfin vor mehreren hundert Gästen aus Kirchen, Politik und Gesellschaft sowie der internationalen Ökumene, dies könne bewirken, dass die Menschen gnädiger miteinander umgingen und Hoffnung spendeten. „Die Welt ist total aus dem Lot – und wir als Teil dieser Welt sind es mit. Seelisch – wenn wir in dieser Schnelllebigkeit nicht endlich die Pause zu ihrem Recht kommen lassen. Ökologisch – wenn wir nicht endlich auf internationalen Klimakonferenzen wirksame Beschlüsse fassen. Religiös – wenn wir nicht endlich couragiert fundamentalistischen Hetzreden Einhalt gebieten“, sagte die Bischöfin und warnte davor, dass religionsfeindliche Positionen salonfähig werden könnten. Dies sollte alle unruhig machen. „Es ist deshalb unsere gemeinsame Aufgabe, als Religionen und Konfessionen gegen Intoleranz eine Ökumene der Dialogkultur zu leben – mit Muslimen, Juden, Buddhisten und untereinander als Christen aller Couleur.“ Gott dürfe nicht in Vergessenheit geraten, denn die Gesellschaft brauche ihn und Menschen, die uns eine Vorstellung gäben von Gottes Möglichkeiten in dieser Welt.

Ein Gnadenjahr, das allen Hoffnung signalisiere, halte unsere Empfindsamkeit wach, so Kirsten Fehrs weiter. „Für die Zerschlagenen unserer Zeit. Für die Verstörten und Verstummten, die als Kinder Opfer wurden von sexualisierter Gewalt. Für die, die gefangen sind in ihrem Trauma. Aber auch für die, die in ihrer Verblendung die Wunden der Geschichte mit Nagelstiefeln treten.“ Es komme darauf an, der wieder aufflammenden Fremdenfeindlichkeit zu begegnen. „Indem wir der Menschen gedenken, die wie die Lübecker Märtyrer Widerstand geübt haben. Und indem wir der jüngsten Opfer gedenken. Deutlich mehr als hundert Menschen sind in Deutschland seit 1990 von Neonazis getötet worden – wie viele Morde werden noch aufgedeckt werden, jetzt nach den Zwickauer Ereignissen?“ so die Bischöfin.

„Politik und Kirchen vereine das Entsetzen und dieaktive Demonstration gegen rechts.“ Es gelte deshalb gemeinsam zu überlegen, was es Jugendlichen erleichtern könnte, aus dem Teufelskreis rechter Gewalt auszusteigen. Auch wenn man Zweifel haben könne, Gewaltbereite mit einem gnädigen Wort zu erreichen, es dürfe uns nicht daran hindern, auch auf diese Weise gegenzuhalten. „Auch ein Widerwort ist ein Hoffnungswort“, so Bischöfin Kirsten Fehrs.

Bischof Gerhard Ulrich, der in seiner Funktion als Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) die neue Bischöfin einführte, zeigte sich überzeugt davon, dass sie durch ihre bereits als Hauptpastorin und Pröpstin in Hamburg gezeigte Stärke, durch unkomplizierte Weise auf Menschen zuzugehen, überzeugen werde. „ Eine der großen Gaben der Bischöfin ist darüber hinaus ihre Fähigkeit, gesprächsfähig zu sein und schon im Gespräch Visionen zu entwickeln, die den Weg nach vorn beschreiben.“ Kirsten Fehrs überzeuge vor allem mit ihrer Verkündigung, die immer wieder gesellschaftliche Themen aufgreife. „‘Eure Güte lasst kund sein allen Menschen‘ – dem folgt Kirsten Fehrs nicht wegen der eigenen Güte, sondern weil sie getragen und befeuert ist von der Güte Gottes, der den Menschen nahe kommt, wenn wir ihnen nahe sein mögen“, so der Leitende Bischof der VELKD.

Hamburgs Innensenator Michael Neumann, der das Grußwortder Hansestadt überbrachte, sagte bei dem anschließenden Empfang im Ostchor des Lübecker Domes, Hamburg freue sich auf die neue Bischöfin. Schon zu ihrer Zeit als Hauptpastorin und Pröpstin habe der Hamburger Senat mit Kirsten Fehrs freundschaftlich zusammengearbeitet. „Ich bin sicher, dass dies auch zukünftig so sein wird. Wir sind gespannt auf die Impulse, die Kirsten Fehrs setzen wird, beispielsweise im Bereich der sozialen Stadtentwicklung und für das kulturelle wie interkulturelle Zusammenleben der Menschen in unserer Stadt.“

Für die schleswig-holsteinische Landesregierung gratulierte Bildungs- und Kulturminister Ekkehard Klug. „Wir freuen uns auf die Fortsetzung der guten Partnerschaft zwischen dem Land und der Nordelbischen Kirche mit Ihnen als neuer Ansprechpartnerin im Süden unseres Landes. Die Schnittmengen dafür sind groß, besonders in meinem Verantwortungsbereich Bildung und Kultur“, sagte der Minister.
Die Amtseinführung von Kirsten Fehrs im Dom zu Lübeckverstehe er als bewusstes Zeichen für selbstbewusste Sprengel in der künftigen Nordkirche. „Ihre Absicht, regelmäßig hier im Dom auch Gottesdienste zu feiern ,unterstreicht dies in meinen Augen“, so Klug.

Die 1961 im schleswig-holsteinischen Wesselburen geborene Kirsten Fehrs begann nach dem Abitur das Studium der Evangelischen Theologie in Hamburg. Nach ihrer Ordination im Jahr 1990 war sie zunächst als Gemeindepastorin in Hohenwestedt tätig. Es folgten Stationen in Projektpfarrstellen im Kirchenkreis Rendsburg und als mehrjährige Leiterin des dortigen Evangelischen Bildungswerkes. Während dieser Tätigkeit übernahm sie auch einen Lehrauftrag an der Universität Zürich in Praktischer Theologie. Sechs Jahre lang war sie anschließend auf einer Projektpfarrstelle im Kirchenkreis Rendsburg in der Personal- und Gemeindeentwicklung beziehungsweise in der Personalentwicklung in der Nordelbischen Kirche beratend tätig. 2006 wurde Kirsten Fehrs zur Pröpstin im Kirchenkreis Hamburg-Ost gewählt. Mit diesem Datum nahm sie zugleich ihre Arbeit als Hauptpastorin an der Hauptkirche St. Jacobi auf. Kirsten Fehrs ist seit 1990 mit dem Pastor Karsten Fehrs verheiratet.

Kirsten Fehrs folgt im Amt als Bischöfin ihrer Amtsschwester Maria Jepsen nach, die 2010 von diesem zurückgetreten war. Jepsen war die erste lutherische Bischöfin der Welt. Sie wurde 1992 in das Amtgewählt. Nach ihrem Rücktritt hatte der Ständige Bischöfliche Stellvertreter imSprengel Hamburg und Lübeck, Propst Jürgen F. Bollmann, die Aufgaben wahrgenommen.

Zu den internationalen Ehrengästen zählten unter anderem Geistliche aus der Diözese von Ely sowie Durham (beide Kirche von England), der Russisch-Orthodoxen Kirche, St. Petersburg, der Griechisch-Orthodoxen Kirche, der Dänischen Volkskirche, der Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Estland, Lettland, Litauen, Russland und Tansania sowie der Syrischen Orthodoxen Kirche.

Für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) war der stellv. Ratsvorsitzende, Landesbischof Jochen Bohl (Dresden), anwesend. Aus der zukünftigen Nordkirche nahmen der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs, Dr. Andreas von Maltzahn sowie Bischof Dr.Hans-Jürgen Abromeit von Pommerschen Evangelischen Kirche teil. Das Erzbistum Hamburg vertraten Erzbischof Dr. Werner Thissen und Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke.

TBF am 26. November 2011, 18:06 Uhr

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