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Montag, 23. Oktober 2017 13:35:07 Uhr

Nigeria: Auf der Flucht vor Boko Haram

Open-DoorsChristen finden kaum Möglichkeiten, dem Terror zu entkommen – (Open Doors, Kelkheim) – Untersuchungen des UN-Informationsdienstes IRIN im Nordosten Nigerias haben die dramatische Lage zahlreicher Flüchtlinge im Gebiet des Tschadseebeckens verdeutlicht. Ein Vergleich mit der aktuellen Flüchtlingssituation in Europa verdeutlicht das enorme Ausmaß der humanitären Katastrophe: Mit 2,5 Millionen Binnenflüchtlingen übersteigt ihre Zahl bei weitem die aller im laufenden Jahr nach Europa gereisten Flüchtlinge und Migranten. Die meisten der Betroffenen sind Christen. Eine sichere Zuflucht finden die Wenigsten.Gemeindeverbund: 70% der Mitglieder auf der Flucht

Reverend Samuel Dali ist Präsident des Gemeindeverbundes „Brüdergemeinden von Nigeria“ (EYN) mit über 1 Mio. Mitglieder. Die meisten der Gemeinden seines Bundes befinden sich im Nordosten Nigerias und damit im Kerngebiet des Boko-Haram-Terrors. Im Gespräch mit Open Doors zog er eine düstere Bilanz im Hinblick auf seine Gemeindemitglieder: 8.000 von ihnen seien ermordet worden, 700.000 seien geflohen und lebten jetzt verstreut in verschiedenen Landesteilen, weitere 15.000 im benachbarten Kamerun. Auch hier zieht der IRIN-Bericht einen interessanten Vergleich zur Flüchtlingssituation in Europa: „Syrische Flüchtlinge, die über die nötigen Mittel verfügen, suchen [in Europa] gezielt Zuflucht im Land ihrer Wahl, während Heerscharen von teils freiwilligen Helfern ihnen unterwegs Hilfe leisten. Nigerianer auf der Flucht vor Boko Haram hingegen erhalten relativ wenig Hilfe und sind froh über jegliche Zuflucht. […] Die meisten von ihnen bleiben als Binnenflüchtlinge im Land und ist auf die Hilfe von Freunden oder entfernten Verwandten angewiesen Andere leben zusammengepfercht in Schulgebäuden, die zu Notunterkünften umfunktioniert wurden, oft unter unhaltbaren hygienischen Zuständen.“

Laufen um das eigene Leben

Im Oktober 2014 überrannten Kämpfer der Boko Haram die Stadt Mubi (Open Doors berichtete). In Kamerun erfuhr Open Doors im Gespräch mit nigerianischen Flüchtlingen jetzt Einzelheiten ihrer Flucht. Zusammen mit seiner Mutter lief ein Kind auf der Flucht vor nachfolgenden Boko-Haram-Kämpfern durch das Unterholz und wurde dabei von einer Schlange gebissen. Da es zusehends schwächer wurde, musste die verzweifelte Mutter ihr Kind seinem Schicksal überlassen, um selbst weiter fliehen zu können. Ein Vater lief mit zwei Kindern auf dem Arm um sein Leben, fiel jedoch plötzlich zu Boden und starb – vermutlich erlitt er einen Herzinfarkt. Die Kinder riefen immer wieder „Papa!“ im Versuch, ihn aufzuwecken, doch vergeblich. Andere Fliehende sahen die Kinder, konnten jedoch nicht helfen und liefen weiter.

Von der Gewalt verfolgt

Tragischerweise gelingt es den Vertrieben nicht, der Gewalt zu entrinnen, wie der IRIN-Report belegt. In den vergangenen Wochen sind viele von ihnen einer Reihe von Selbstmord-Anschlägen im Nordosten des Landes zum Opfer gefallen, wo sie Zuflucht gesucht hatten. Die Übergriffe reichen bis hinein in die Flüchtlingslager. „Das Ausmaß der Zerstörung von Leben und Besitz, die Entführungen von Frauen, Kindern und Pastoren haben das Potential, zu einem regelrechten Genozid an den Christen im Norden Nigerias zu werden“, warnt Reverend Dali. Er bittet dringend um Gebet und Hilfe, „um den Teufelskreis von Tod und Vertreibung zu durchbrechen.“

Ein leises Hoffnungszeichen sind die Erfolge des nigerianischen Militärs, das in den vergangenen Monaten Dutzende von Städten und Dörfern aus den Händen von Boko Haram zurückerobert hat. In der Folge sind tausende Einwohner zögerlich zurückgekehrt. Doch die Lage ist nach wie vor angespannt: Mehr als die ausgebrannten Autos erinnert der allgegenwärtige Geruch des Todes beständig an die vergangenen Geschehnisse und nährt die Furcht, sie könnten sich wiederholen. Die Christen bitten die weltweite Kirche um anhaltendes Gebet.

Nigeria belegt auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors aktuell den zehnten Rang unter den Ländern, in denen Christen wegen ihres Glaubens am stärksten verfolgt werden.

Quelle: World Watch Monitor, IRIN, Open Doors

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Open Doors ist ein überkonfessionelles christliches Hilfswerk, das seit 60 Jahren in mehr als 50 Ländern verfolgte Christen unterstützt mit Hilfe zur Selbsthilfe-Projekten sowie Bibeln und christlicher Literatur. Open Doors bildet Gemeindeleiter aus, engagiert sich für Gefangene und unterstützt die Familien ermordeter Christen. Mit einer breiten Öffentlichkeitsarbeit („Sprachrohrdienst“) informiert das Werk in Publikationen und mit Vorträgen über Christenverfolgung und ruft zu Gebet und Hilfe für verfolgte Christen auf. Jedes Jahr veröffentlicht Open Doors den Weltverfolgungsindex, eine Rangliste der Länder, in denen Christen am stärksten verfolgt werden.

Die Arbeit von Open Doors Deutschland e.V. wird durch Spenden finanziert. Das Werk trägt das Spendenprüfzertifikat der Deutschen Evangelischen Allianz.

Über Open Doors
TBF am 16. November 2015, 18:07 Uhr

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