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Samstag, 29. Februar 2020 08:03:14 Uhr

59. Nordische Filmtage Lübeck: Sozialisation, Standortbestimmung und faszinierende Lebensgeschichten

59. Nordische Filmtage Lübeck: Sozialisation, Standortbestimmung und faszinierende Lebensgeschichten – Das Dokumentarfilmprogramm der 59. Nordischen Filmtage Lübeck (1.-5.11.2017) fokussiert sich besonders auf die Themen Sozialisation und Standortbestimmung sowie Porträts von Menschen, die in Kunst und Leben Ungewöhnliches erlebt und geleistet haben. Die Jury des Dokumentarfilmpreises der Lübecker Gewerkschaften zeichnet seit 36 Jahren einen „gesellschaftlich besonders engagierten Film“ aus. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert.

In zahlreichen Filme stehen das Heranwachsen und die persönliche und soziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen im Mittelpunkt, aber auch die Hindernisse, mit denen junge Menschen konfrontiert werden. „Haus der Träume“ (Ühe unistuse maja / House of a Dream ) von Ruti Murusalu stellt eine Ballettschule vor und zeigt, wie schwer der Weg einer Ballerina bis zum Erfolg sein kann, „Junge Täter“ (Barneraneren / What Young Men Do) von Jon Haukeland zeichnet hingegen den Weg der Resozialisierung eines straffällig gewordenen Jugendlichen nach. Die Ausgrenzung unehelicher Kinder im Schweden zu Anfang des 20. Jahrhunderts thematisiert Knutte Wester in „Das Hurenkind“ (Horungen / A Bastard Child), während „Richtig erwachsen“ (Rigtig Voksen / Life as a Grown-Up) von Anders Gustafsson dokumentiert, dass auch heute der Weg in ein verantwortungsvolles Familienleben voller Hindernisse sein kann. „69 Minuten von 86 Tagen“ (69 minutter av 86 dager / 69 Minutes of 86 Days, R: Egil Håskjold Larsen) zeigt die Flucht einer Familie von Syrien nach Schweden aus der Perspektive der dreijährigen Tochter, und „Kommen sie heute Nacht?“ (Mon de kommer om natten? / The Wait, R: Emil Langballe) porträtiert ein Mädchen, dessen Familie von Abschiebung bedroht ist.

Zum Fokus passen auch die Filme „Kindheit“ (Barndom / Childhood) von Margreth Olin und „Vom Kind zum Bürger“ (Fra barn til borger / Becoming a Citizen) von Janne Lindgren, die faszinierende Einblicke in kindliches Lernen im Kindergarten und in der Grundschule vermitteln. Wie junge Mädchen in Finnland mit ihrem Steckenpferd einen Hindernisparcours bezwingen oder elegante Dressurübungen absolvieren hat Selma Vilhunen in der „Hobbyhorse Revolution“ dokumentiert. „Mein Sommer als Libelle“ (Kesäni sudenkorentona / Once I Was a Dragonfly, R: Elli Toivoniemi) begleitet den Weg eines Jungen bis zum jungen Mann, der sich für Insekten, vor allem für Libellen, begeistert.  Die 9-jährige Ylva hingegen folgt einer alten Familientradition in „Zungenschneider“ (Tungeskjærerne / Tongue Cutters, R: Solveig Melkeraaen). Das Stadtkind reist in ein Fischerdorf in Nord-Norwegen, wo Kinder traditionell dem frisch gefangenen Kabeljau die Zungen heraus schneiden und dabei gutes Geld verdienen können.

Daneben geht es in den Filmen des Programms auch um Standortbestimmungen. Vorgestellt werden Menschen mit außergewöhnlichen Berufen und Hobbies, Menschen, die persönlichen Krisen oder sozialen Umwälzungen ausgesetzt sind, die Spurensuche betreiben oder sich durch ungewöhnliche Leistungen auszeichnen. Auf hohe See begeben sich die „Die letzten Robbenjäger“ (Ishavsblod – De siste selfangerne / Sealers – One Last Hunt) in einem Film der Regisseurinnen Trude Berge Ottersen und Gry Elisabeth Mortensen und „Dóra – Eine von den Jungs“ (Dóra – ein af strákunum / Dora – One of the Guys, R: Árni Gunnarsson). „Liebe Oma, guten Tag!“  (What we Leave Behind, R: Jurate Samulionyte, Vilma Samulionyte) begleitet die Spurensuche zweier Schwestern, die herausfinden möchten, was mit ihrer Großmutter passiert ist.

Menschen, die schwere Schicksalsschläge bewältigen müssen, kommt „Nach Inez“ (Efter Inez / After Inez) sehr nahe, als Regisseurin Karin Ekberg ein Paar begleitet, das in der 37. Woche der Schwangerschaft sein Baby verloren hat. Auch Regisseur Sulev Keedus widmet sich in „Krieg“ (Sõda / War) einer tragischen Geschichte, hier geht es um posttraumatische Belastungsstörungen eines Soldaten nach dem Militäreinsatz in Afganistan. Sine Skibsholt Dokumentation „Wer wir waren“ (Dem vi var / Who We Were) über einen Schlaganfall führt in das Innerste einer Familie in einer existenziellen Krise. Menschen in sozialen Umwälzungen begegnen wir in Schmetterlingsstadt (Drugelio miestas / Butterfly City, R: Olga Cernovaite) „Black Hole Mama“ (R: Heidi Piiroinen) und „Schnee auf dem roten Hügel“ (Lumi punasel lagedal / Paradise Behind the Fence, R: Aljona Surzikova), während „Siedepunkt“ (Kiehumispiste / The Boiling Point, R: Elina Hirvonen) die gesellschaftliche Polarisierung durch die Flüchtlingskrise in Finnland untersucht.

Das Dokumentarfilmprogramm beinhaltet auch besondere Portraits, die sich Menschen widmen, die Ungewöhnliches in ihrem Leben und in der Kunst erreicht haben: „Amateurs in Space“ von Max Kestner zeigt zwei Dänen, die eine Rakete mit Material aus dem Baumarkt realisieren und diese ins All schießen wollen. „Big Time“ von Kaspar Astrup Schröder stellt Bjarke Ingels, einen der erfolgreichsten Architekten der Gegenwart, vor; Natalie Johanna Hallas Film „Life in Four Elements“ ist eine Studie über vier Menschen, die in Feuer, Wasser, Erde und Luft „ihr“ Element gefunden haben. Neben der kurios-tragischen Lebensgeschichte des Mannes mit den Superkräften „Reynir, der Starke“ (Reynir Sterki / Beyond Strength , R: Baldvin Z ), portraitiert „Die Kunst des Unmöglichen“ (Det umuliges kunst / The Art of the Impossible, R: Elsa Kvamme) Eugenio Barba und sein revolutionäres Odin-Theater. Des weiteren präsentieren die Filmtage mit „Citizen Schein“ eine Dokumentation über eine der schillerndsten Persönlichkeiten der schwedischen Filmgeschichte. „Er repräsentierte eigentlich alles, was mein Vater nicht mochte“, erzählt Ingmar Bergmans Sohn: „Alkohol, Zigaretten, Lautstärke und Gelächter.“ Trotzdem waren der „intellektuelle Playboy“ und Bergman enge Freunde. Der Film von Maud Nycander, Kersti Grunditz Brennan und Jannike Åhlund rekonstruiert mit Archivmaterial und Interviews ein bewegtes Leben. Er erlebt in Lübeck seine Deutschlandpremiere und wird auch Gegenstand der „Masterclass Dokumentarfilm“ sein.

Bei vielen Filmvorführungen sind Gäste in Lübeck, die im Anschluss an die Filme dem Publikum für Fragen zur Verfügung stehen. Unter anderem werden Jannike Åhlund und Kersti Grunditz („Citizen Schein“) sowie Aljona Surzhikova („Schnee auf dem roten Hügel“) und Jon Haukeland („Junge Täter“) nach Lübeck kommen. Um bereits die Vorfreude zu wecken, veröffentlichen die Filmtage in regelmäßigen Abständen vor dem Festival Videobotschaften –  DIRECTOR’S VOICES – von Filmgästen auf ihren Social Media Kanälen. Mit dabei auch Janne Lindgren („Vom Kind zum Bürger“),  Árni Gunnarsson („Dorá – Eine von den Jungs“) und Solveig Melkeraan („Zungenschneider“) aus dem Dokumentarfilmprogramm.

Seit dem 21.10.17 steht das komplette Programm der Filmtage online auf www.filmtage.luebeck.de, der Kartenvorverkauf für die 59. Festivalausgabe startet am 28. Oktober um 15 Uhr im CineStar Filmpalast Stadthalle und online auf der Filmtage Homepage wie auch auf www.cinestar.de.

Luebecker Dienstleistungskontor am 26. Oktober 2017, 09:19 Uhr

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Der Segen des HERRN allein macht reich, und nichts tut eigene Mühe hinzu.
 

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