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Mittwoch, 1. April 2020 13:41:49 Uhr

Aktionen gegen geplanten Mega-Tunnel: Versinkt unser Ostsee-Urlaub im Matsch?

Bildquelle: BELTRETTER/Jutta Schewe · Aktionen gegen geplanten Mega-Tunnel: Versinkt unser Ostsee-Urlaub im Matsch? Der BELTRETTER e.V. macht in Leipzig und Kiel sowie auf Fehmarn auf massive Auswirkungen des geplanten Ostseetunnel-Baus aufmerksam. Außergewöhnliche künstlerische Straßen- und Strand-Inszenierungen zeigen dabei mögliche Folgen der geplanten Mega-Baustelle am Fehmarnbelt auf. Rund 70 Prozent der Deutschen haben noch nie vom geplanten Ostsee-Tunnel gehört.Dabei nimmt das Projekt, für das die empfindliche Ostsee über eine Strecke von 18 Kilometern aufgerissen und über Jahre ausgebaggert werden müsste, immense Ausmaße an: Schon jetzt liegt die Kostenprognose für den Tunnelbau inklusive der Hinterlandanbindung mit fast 14 Milliarden Euro höher als bei „Stuttgart 21“. Hinzu kämen die Schäden, die der Umwelt zugefügt, sowie Existenzen, die bedroht würden. Dass kaum einer davon weiß, soll sich ändern. Deshalb veranstaltete der BELTRETTER e.V. vom 25. bis 27. Juli 2019 an drei Orten in Deutschland außergewöhnliche Strandszenen, die von Laiendarstellern und einigen freiwilligen Tunnel-Gegnern inszeniert wurden. Damit sollte – bewusst überspitzt – aufgezeigt werden, wie der Strandurlaub aussehen könnte, sollte der Tunnel gebaut werden: trübes Meer und matschiger Strand.

Vor dem Leipziger Bundesverwaltungsgericht, auf dem Asmus-Bremer-Platz in Kiel und am Südstrand auf der Ostseeinsel Fehmarn stellten die Initiatoren typische Strandszenen nach: entspannen im Liegestuhl, Beach- und Federball spielen, Muscheln sammeln und Sandburgen bauen. Eigentlich nichts Ungewöhnliches mitten in der Urlaubssaison. Allerdings: Die „Urlauber“ waren komplett mit Matsch bedeckt. „Wir möchten damit auf die Auswirkungen des geplanten Ostsee-Tunnelbaus aufmerksam machen. Wenn dieses Mega-Bauprojekt nicht gestoppt wird, werden viele Ostseestrände nicht mehr so sein wie wir sie kennen. Das Wasser wird dann über mehrere hundert Kilometer hinweg über viele Jahre eintrüben und schlammig werden. Es wäre die größte Baustelle Nordeuropas“, erklärt Karin Neumann, Pressesprecherin von BELTRETTER e.V., die Aktionen. Doch das wäre nicht der einzige Schaden. Durch den Tunnelbau würden die bedrohten Schweinswale vertrieben, Laichplätze von Dorschen und Heringen zerstört und Existenzen derer, die vom Ostseetourismus leben, bedroht. Zudem würde das Projekt immense Geldmengen verschlingen, wahrscheinlich sogar mehr als BER und Stuttgart 21. „Wir fordern die Beteiligten auf, die Wirtschaftlichkeit neu zu beurteilen sowie Alternativen zum geplanten Absenktunnel genau zu prüfen. Im Staatsvertrag von 2008 ist klar definiert, dass das Projekt neu beurteilt werden muss, wenn die Kosten aus dem Ruder laufen“, fordert auch Florian Bumm, ebenfalls Pressesprecher der BELTRETTER.

Matsch-Inszenierungen sollen Entscheider in Leipzig und Kiel zum Nachdenken anregen

Neben Fehmarn, der Ostseeinsel, die direkt betroffen wäre, fanden die künstlerischen Inszenierungen in Kiel und Leipzig statt. „Wir haben dabei bewusst auf die professionelle Unterstützung von Laiendarstellern gesetzt, um unseren Botschaften besonderen Ausdruck zu verleihen. Ja, dafür haben wir auch etwas Geld in die Hand genommen. Die Tunnel-Lobbyisten machen das seit Jahren im großen Stil“, so Karin Neumann. In Leipzig liegen den Richtern des Bundesverwaltungsgerichtes zehn Klagen gegen das Mega-Bauprojekt vor, unter anderem von Umweltschutzorganisationen, die auf die massiven Auswirkungen auf Natur und Umwelt aufmerksam machen. In Kiel sollte vor allem das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein angesprochen werden. Denn trotz der bekannten Auswirkungen und Kosten in Milliardenhöhe befürwortet das Ministerium den geplanten Tunnelbau und setzt sich für eine schnelle Umsetzung ein.

Entsetzen und Betroffenheit

Viele Betroffene, die auf der Insel Fehmarn leben oder deren Existenzen durch den Tunnelbau zerstört würden, äußerten ihre Sorgen während der Aktion am Südstrand. „Ich halte von dem ganzen Projekt überhaupt nichts. Ich habe auf Fehmarn meine Kindheit verbracht, meine Familie lebt hier. Dass diese Idylle zerstört werden soll, für einen Tunnel, der sich noch nicht einmal lohnen wird, macht mich sprachlos und sehr traurig“, so Malin Bindig. Auch Jan Ueberall, Ostsee-Liebhaber und Surfshop-Betreiber auf Fehmarn ergänzt: „Das Projekt zerstört den Lebensraum der ohnehin schon bedrohten Schweinswale, denen ich schon oft beim Stand-Up Paddling begegnet bin. Und das Schlimmste: Die meisten Urlauber haben keine Ahnung, was hier geplant ist.“

Das konnten die BELTRETTER mit der Aktion ändern: Passanten und Urlauber waren schockiert: „Wir machen seit Jahren Urlaub auf Fehmarn. Wenn der Tunnel gebaut wird, würde der Tourismus zusammenbrechen, die Insel wäre über Jahre vom Festland abgetrennt wegen der neuen Hinterlandanbindung,“ so Dietmar Eggeling aus Nordrhein-Westfalen. „Das wäre für mich ein Grund, hier erst mal keine Ferienwohnung zu kaufen“.

„Durch den Klimawandel wird sich in den nächsten Jahren so viel verändern. Wenn dann noch der Ostsee-Tunnel gebaut wird, wird es nicht besser. Unsere Kinder würden die Ostsee nicht mehr so erleben, wie wir sie kennen“, sagt Lisa Haarhoff, Mutter zweier kleiner Kinder aus Damlos, einem Ort in Schleswig-Holstein, der von der Hinterlandanbindung betroffen wäre. „Bei uns sollen neue Trassen für den Schienenverkehr gebaut werden, das wird riesen Lärm erzeugen“, zeigt sich Michaela Homann-Speck wütend.

„Die Aktion war ein voller Erfolg. Wir machen weiter, sind spontan und aufmerksam“, resümiert Karin Neumann die Inszenierungen.

Die Aufklärung über den geplanten Ostseetunnel durch BELTRETTER e.V. hat inzwischen viele Deutsche wachgerüttelt: Rund 174.000 Menschen haben bereits die Petition unter www.beltretter.de/petition gegen den Ostsee-Tunnelbau unterschrieben. Und es werden täglich mehr.

TBF am 27. Juli 2019, 18:06 Uhr

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Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.
 

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