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Sonntag, 24. März 2019 16:01:30 Uhr

Die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland steigt

Ergebnisse der „Leipziger Autoritarismus-Studie“ treffen auch auf Schleswig-Holstein zu. Steigende Nachfrage bei Regionalen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus nach Vorfällen in Chemnitz  – Alltagsrassismus oft im ländlichen Raum ein Problem. Kiel. Die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland steigt.  Fast jeder vierte Deutsche ist ausländerfeindlich. Aggressionen gegen Sinti und Roma, Asylbewerber und Muslime nehmen immer weiter zu. Einzelnen ausländerfeindlichen Aussagen, wonach beispielsweise Ausländer den deutschen Sozialstaat ausnutzen oder die Bundesrepublik überfremden, stimmt im Osten fast jeder Zweite, im Westen jeder Dritte zu. 40 Prozent können sich wieder ein autoritäres Regime vorstellen. Das sind zentrale Ergebnisse der repräsentativen „Leipziger Autoritarismus-Studie“, die am 7. November 2018 vorgestellt wurde. Dabei gilt oft, je weniger Ausländer in einer Region lebten, desto stärker seien die „Überfremdungsängste“ in dem Gebiet. Laut der Studie ist Antisemitismus weit verbreitet. Jeder Zehnte findet ausdrücklich, dass „Juden etwas Besonderes an sich haben und nicht so recht zu uns passen“, zusätzlich stimmen dieser Aussage 20 Prozent latent zu.
„Die aktuellen Ergebnisse der Studie aus Leipzig sind besorgniserregend. Am Jahrestag der Novemberpogrome von 1938 sollten wir diese schleichende Entwicklung hin zu einer autoritären und rechten Gesellschaft nicht stillschweigend hinnehmen und uns gemeinsam laut und deutlich für eine bunte, offene, demokratische und von Teilhabe geprägte Gesellschaft einsetzen“, sagt der AWO-Landesvorsitzende Wolfgang Baasch.

Rassismus nicht verharmlosen

Der antimuslimische Rassismus steigt laut Studie weiter von 50 Prozent (Jahr 2016) auf 55,8 Prozent in der Bevölkerung an. Der Anteil der Menschen, die Asylbewerber abwerten, ist in den vergangenen Jahren ebenfalls gestiegen. 79,1 Prozent der Befragten sprachen sich deshalb auch dafür aus, der Staat sollte bei der Prüfung von Asylanträgen „nicht großzügig sein“.
„Wir dürfen den Rechtsruck in Deutschland nicht verharmlosen. Wir wollen in einer offenen und demokratischen Gesellschaft leben, dafür setzen wir uns bei der AWO jeden Tag in unserer Arbeit ein. Auch die AWO wurde unter den Nationalsozialisten verfolgt und verboten. Schon aus unserer Geschichte heraus sind wir dazu verpflichtet, uns gegen solche Entwicklungen zu wehren“, sagt AWO-Landesvorsitzender Michael Selck.

Steigender Beratungsbedarf in Schleswig-Holstein

Auch in Schleswig-Holstein wächst der Alltagsrassismus. Die Regionalen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus der AWO können das aus ihrer täglichen Arbeit für Schleswig-Holstein bestätigen. „Rassismus als eine Ideologie der Ungleichwertigkeit und insbesondere Alltagsrassismus ist gerade in den ländlichen Räumen in Schleswig-Holstein, wie Nordfriesland oder Dithmarschen, allgegenwärtig. Die Anzahl der Beratungsfälle ist seit den Vorfällen in Chemnitz weiter angestiegen. Die Entwicklung der Sprache ist dem ganzen zuträglich. Was früher nicht sagbar war, ist sagbar geworden“, sagt Torsten Nagel, Leiter der Regionalen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus. Einige Aussagen der AfD seien hierfür ein entscheidender Faktor, aber auch Aussagen wie von Innenminister Seehofer, der von der „Migration“ als „Mutter aller Probleme“ spricht. „Das gibt den Rechten Aufwind und fördert den gesellschaftlichen Rechtsruck“, sagt Nagel.

TBF am 9. November 2018, 12:25 Uhr

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