Umgang der Nordkirche mit der Initiative Missbrauch in Ahrensburg » hier-luebeck - Das interaktive, älteste Online-Magazin für Lübeck und Umgebung seit 1999

Anmelden

hier-luebeck

Das interaktive, älteste Online-Magazin für Lübeck und Umgebung seit 1999

Montag, 9. Dezember 2019 19:21:07 Uhr

Umgang der Nordkirche mit der Initiative Missbrauch in Ahrensburg

Umgang der Nordkirche mit der Initiative Missbrauch in Ahrensburg · Betroffene fordern Entschädigung für Missbrauchsopfer und  eine Gauckbehörde-für-Missbrauch“. Heute findet das Fachforum Missbrauch der evangelischen Nordkirche in der Apostelkirche in Hamburg statt.
Im Vorfeld wurde Kritik daran geübt, dass die Betroffenen von der Kirche nicht einbezogen wurden. In der Tat: Nicht mal einen ganzen Tag vor Veranstaltungsbeginn wurde ein Sprecher von MiA per eMail nachträglich zur Teilnahme an der Veranstaltung eingeladen, eine aktive Rolle wurde ihm nicht angeboten.Dazu erklärt die Initiative Missbrauch in Ahrensburg: „Das aktuelle Agieren der Nordkirche entspricht dem, was wir seit 2010 gut kennen (leider): Budenzauber auf der einen Seite:

  • Die Kirche stellt ihre Betroffenheit mit hochemotionalem Habitus / Verhalten ihrer Repräsentanten öffentlichkeitswirksam dar, allen voran die Hamburger Bischöfin und EKD-Beauftragte, Kerstin Fehrs.
  • Bischöfin Fehrs gesteht jederzeit pauschal Schuld und Mitverantwortung der Institution für das Ermöglichen der Taten ein und proklamiert einen dringlichen Bedarf der Kirche nach Vergebung durch die Opfer.

Andererseits: Die Realität zeigt, dass die Kirche hauptsächlich ihre Image-Interessen verfolgt:

  • Dem Lippenbekenntnis folgen kaum Taten.
  • Wir Betroffene werden untereinander und gegeneinander ausgespielt.
  • Wir werden in Einzelgesprächen systematisch ausgehorcht und anschließend mundtot gemacht.
  • Einzelne von uns werden von der Kirche für die eigene Imagepflege benutzt und wenn wir nicht mehr nützlich sind abserviert und kaltgestellt.

Eine Gesellschaft, die ernsthaft den Missbrauch verurteilt, darf das nicht durchgehen lassen.

Forderung nach angemessener Entschädigung für Missbrauchsopfer

Aktuell ist der Vorschlag einer pauschalen Entschädigungssumme von 300.000 Euro für jeden Betroffenen sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich im Gespräch. Die Deutsche Bischofskonferenz diskutiert dieser Tage den Vorschlag.

Der von der Betroffenengruppe Eckiger Tisch eingebrachte Vorschlag wird von der Initiative Missbrauch in Ahrensburg unterstützt – mit einer Einschränkung: Diese Summe darf nicht als Deckel betrachtet werden, sondern muss im besonderen Einzelfall nach oben offen bleiben (Experten der Bischofskonferenz empfehlen einen Höchstbetrag von bis zu 400.000 Euro).

Bisher ist die Lage in Deutschland – auch im internationalen Vergleich – ein Fiasko. Erst vor kurzem wurden Zahlen bekannt gemacht, die in anderen Ländern für Entschädigungen aufgewendet oder bereitgestellt werden. Die USA, mit ihrem tendenziell opferfreundlichen Haftungs- und Entschädigungsrecht, ist keineswegs die Ausnahme, wie die veröffentlichten Summen zeigen: Irland 2,1 Mrd., USA über 2 Mrd., Kanada: 1,45 Mrd., Australien 2,5 Mrd. (Quelle: Katholische Nachrichtenagentur (KNA) am 23.9.2019) 

Die evangelische Kirche weicht dem Thema Entschädigungsleistungen regelmäßig aus und versucht mit sonderbar deklarierten Leistungen für einzelne Betroffene (und vor allem für Betroffenenvertreter), für sich Druck aus dem Kessel zu nehmen. Die evangelische Kirche muss endlich eine Diskussion über echte Entschädigungen führen und Betroffenenvertreter im Entscheidungsprozess einbinden.

Ausgerechnet die evangelische Kirche, die stets die kollektive Verantwortung für das von Deutschland ausgegangene Unrecht angemahnt hat und (mit anderen zusammen) umfassende Entschädigungsleistungen für Opfer des Dritten Reichs erkämpfte, verhält sich in eigener Sache völlig anders und verweigert den heutigen Opfern schwerer Menschenrechtsverletzungen (durch Täter aus ihren eigenen kirchlichen Reihen) die angemessene Unterstützung.

Forderung nach „Gauck für Missbrauch“

Viele Missbrauchstaten können nicht aufgeklärt werden, weil Dokumente und Unterlagen aus kirchlichen Einrichtungen und Archiven nicht verfügbar sind. Dadurch wird vielen Betroffenen die Möglichkeit genommen, ihr Schicksal zunächst aufzuklären, aber auch die gesellschaftliche Aufarbeitung von Missbrauch wird dadurch behindert.

Abhilfe könnte eine Art Gauckbehörde für Missbrauch schaffen, die Informationen und Daten zusammenträgt und verfügbar hält.

Wir werden in Kürze ein Thesenpapier Gauck-Behörde für Missbrauch“ veröffentlichen.

Konzept des „Bundesbeauftragten“ ist fragwürdig

Die Bundesregierung setzt seit einigen Jahren einen Bundesbeauftragten für sexuellen Missbrauch ein, der ausdrücklich keine Partei ergreifen soll. – Wo gibt es das? Eine Gleichstellungsbeauftragte, einen Datenschutzbeauftragten oder einen Behindertenbeauftragten, die nicht die Interessen der Gleichstellung, des Datenschutzes oder von Behinderten vertreten dürfen? Aber bei sexuell Missbrauchten verfährt man so.

Der Bundesbeauftragte organisiert kontroverse wissenschaftliche Debatten und moderiert den Dialog höchst ungleicher Kontrahenten (Betroffene – Kirchen), er berät in alle Richtungen und soll alle Interessen berücksichtigen – die der Täterorganisationen ebenso wie die der Opfer. Das Konzept wird nicht besser, wenn dieser Beauftragte einen Betroffenenrat einrichtet, der ebenso wenig substanziell zu sagen hat wie er selbst. Zumal dieser Rat nicht von den Betroffenengruppen beschickt wird, sondern seine Mitglieder durch den Bundesbeauftragten (mit dem oben dargelegten Aufgaben- und entsprechenden Interessenprofil) handverlesen werden. Die Kirchen würden sich das nicht bieten lassen!

Aus unserer Sicht zeigt der Beauftragte außer markigen Sprüchen keine ausreichende Haltung. Vielmehr dokumentiert er in erster Linie neutral die bestehenden Ungerechtigkeiten. Auf diese Weise kann den Betroffenen im Lande nicht geholfen werden, das Gegenteil ist der Fall: es wird anschaulich vermittelt, wie schwer das Leid der Betroffenen ist, wie aalglatt sich die Täterorganisationen herauswinden, aus denen heraus Missbräuche in unvorstellbarem Ausmaß geschehen sind, und es wird die bittere Erkenntnis im ganzen Land verbreitet, dass sich zu wehren für die Opfer nicht lohnt, weil es zu zusätzlichem Leid und Nachteilen führt, und ihnen ohnehin dauerhaft eine angemessene Kompensation verweigert wird.

Schleichender Trend zur Banalisierung und Relativierung sexuellen Missbrauchs in den Medien

Erschreckend und verstörend ist für uns, dass zunehmende Tendenzen in den Medien zur Relativierung des Missbrauchs durch kirchliche Stellen und Teile der Presse nachzuweisen sind. Wir werden dazu nicht schweigen.“

Betroffenengruppe Missbrauch in Ahrensburg  fordert von EKD Entschädigung für Missbrauchsopfer. 

Im Namen der Betroffenen fordern wir von der evangelischen Kirche in Deutschland, die Verantwortung für das von den Betroffenen erlittene Unrecht zu übernehmen. Den Betroffenen sollte die Möglichkeit gegeben werden, eine angemessen Entschädigung zu erhalten.

Es reicht nicht aus, dass einzelne Kirchenvertreter eine globale Schuld eingestehen, die für die Betroffenen ein Abstraktum bleibt. Das schafft wenig Linderung für die sehr konkreten und vielfach lebenslänglichen Folgen sexueller Gewalt, die ihnen von Pastoren der evangelischen Kirche zugefügt wurde. Auch Leistungen der Kirche nach dem Opportunitätsprinzip, die als Anerkennung erlittenen Leides gewährt werden, sind ungeeignet der Verantwortung zu entsprechen – als Akte der Gnade stellen sie stets eine andere Form der Abwertung dar.

Wir regen an, dass sich die EKD mit den fundierten Empfehlungen zu diesem Komplex auseinander setzt, die sich die Deutsche Bischofskonferenz im September 2019 von Betroffenenvereinigungen aus dem katholischen Bereich hat zuarbeiten lassen. Nach unserer Einschätzung sind beide dort diskutierten Varianten grundsätzlich geeignet: die Pauschalvariante mit einer Entschädigungssumme von 300.000 Euro pro Betroffener/m ebenso wie die gestaffelte Variante mit einem Ausgangsbetrag von 40.000 Euro und einem oberen Rahmen von 400.000 Euro.

Nach unseren negativen Erfahrungen aus dem Missbrauchsskandal in Ahrensburg und den von der evangelischen Nordkirche praktizierten Verfahren („Unterstützungsleistungen in Anerkennung erlittenen Leides“) geben wir jedoch einer pauschalen Lösung eindeutig den Vorzug. Nur so kann verhindert werden, dass Betroffene durch ein entwürdigendes Verfahren erneut geschädigt werden. Es entfallen das Motiv und der Anreiz für die kirchlichen Vertreter, in den Gesprächen oder Verhandlungen mit Betroffenen mit zweifelhaften Methoden auf die Akzeptanz möglichst geringer Summen hinzuwirken. Wir haben als fragwürdig bis anmaßend erlebt, dass kirchliche Vertreter in detaillierten persönlichen Verhörsituationen das Leid von Betroffenen sezierten und bewerteten, um dem eine Zuwendung zuzuordnen.

TBF am 26. September 2019, 18:04 Uhr

Bible verse of the day

Denn so hat uns der Herr geboten: »Ich habe dich zum Licht der Heiden gemacht, dass du das Heil seist bis an das Ende der Erde.«
 

Kalender

Dezember 2019
S M D M D F S
« Nov    
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
293031  

Stichwörter

Kategorien

    Archive

    RSS RSS-Feed

    • Heinold für Absenkung der Stromsteuer
      Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) hat in der Debatte um das Klimapaket der Bundesregierung Nachbesserungen gefordert. "Statt der Pendlerpauschale wäre eine Entlastung der Bürgerinnen und Bürger durch eine Absenkung der Stromsteuer die bessere Variante", sagte Heinold am Mon
    • Gericht: Schließung des Friesenhofes war rechtswidrig
      Schleswig (dpa/lno) Die Schließung von zwei Mädchenheimen der Jugendhilfeeinrichtung Friesenhof in Dithmarschen im Juni 2015 war rechtswidrig. Das stellte das Verwaltungsgericht Schleswig in einem am Montag verkündeten Urteil fest. Die Gründe für den Widerruf der Betriebserlaubnis seien nicht ausrei
    • Streit eskaliert: 47-Jährige sticht Mann in den Bauch
      Eine betrunkene Frau aus Brandenburg/Havel hat nach einem Streit einem 47-Jährigen mit einem Küchenmesser in den Bauch gestochen und den Mann schwer verletzt. Die nicht lebensbedrohlichen Verletzungen des Mannes mussten stationär in einem Krankenhaus behandelt werden. Zuvor habe der ebenfalls betrun
    • AfD-naher Youtuber Kilic: Vizekanzler Stegner? Ex-SPD-Vize fiel auf Telefonscherz rein
      Berlin (dpa) - Der ehemalige SPD-Vizevorsitzende Ralf Stegner ist vor dem Bundesparteitag auf den Telefonscherz eines Youtubers hereingefallen, der ihm den Posten von Finanzminister Olaf Scholz angeboten hatte. Stegner wollte den Fauxpas am Montag auf Anfrage nicht kommentieren. In dem am 5. Dezembe
    • Plattform Steam entfernt rechte Parolen und Nazi-Symbole
      Die Online-Spiele-Anbieter Steam hat Dutzende Inhalte mit verfassungsfeindlichen Symbolen und ein volksverhetzendes Profil von ihrer Plattform entfernt. Dabei hätten bereits die Pseudonyme der Nutzer wie "Führer", "Holocaust", "Dr. med. Hitler vergaßt" oder Gruppennamen wie "Reconquista Germania" ei
    • Polizei erwischt 62-Jährige beim Zerteilen von Heroin
      Nach monatelangen Ermittlungen hat die Polizei eine 62 Jahre alte Frau aus Geesthacht im Kreis Herzogtum Lauenburg nach eigenen Angeben als Drogendealerin überführt. Bei der Durchsuchung einer Wohnung in Geesthacht war die 62-Jährige gerade dabei, ein Heroinstück zu zerlegen, wie die Polizei am Mont
    • Kiel: Polizei sucht nach Brand in Mercedes-Autohaus Zeugen
      Am 14. November brannten auf dem Gelände einer Autohauses in Kiel sechs Autos aus. Die Polizei hat auf Videoaufnahmen ein auffälliges Fahrzeug entdeckt – und sucht jetzt nach Zeugen.  Nach einem Brand auf dem Gelände eines Autohauses in  Kiel Mitte November sucht die Polizei weiter nach Zeugen. Bei
    • Lotto- und Toto-Glück: zwei Spieler tippen richtig
      Ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk in sechsstelliger Euro-Höhe hat ein Lottospieler im Kreis Oder-Spree bekommen. Der Mann habe am vergangenen Samstag sechs Richtige getippt und 687 685, 20 Euro gewonnen, berichtete Lotto Brandenburg am Montag in Potsdam. Nur die Superzahl 4 habe ihm zum Jackpot gefe
    • Leichenteile an der A2: Identifizierung dauert an
      Nach dem Fund von Leichenteilen auf der Autobahn A2 zwischen Wollin und Ziesar (Potsdam-Mittelmark) in der vergangenen Woche dauert die Identifizierung der getöteten Person weiter an. Auf Grund der besonderen Umstände könnten die gerichtsmedizinischen Untersuchungen länger dauern, sagte der Sprecher
    • Gutscheine: Darüber sollten Sie Bescheid wissen
      Gutscheine sind praktische Geschenke mit rechtlichen Tücken. Denn nicht immer sind Gültigkeitsdauer, Auszahlung und Co. klar. Was darf der Händler und worauf können Kunden bestehen? Für Bücher, fürs Kino oder fürs Theater: An Weihnachten werden wieder unzählige Gutscheine verschenkt. Doch was, wenn

    Polls

    Wird sich Frau Dr. Merkel noch bis zum Ende der Legislaturperiode als Kanzlerin halten?

    Ergebnisse

    Loading ... Loading ...

    RSS-Feed

    RSS-Feed abonnieren

    Öffnen Sie eine Kategorie, für Kategorie RSS-Feeds