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Dienstag, 26. März 2019 11:36:38 Uhr

31. Deutscher Seeeschifffahrtstag: Bunte Flaggen in der Stadt, Trostlosigkeit auf dem früheren Werftgelände – Flender: Langsam wächst Gras darüber

Flender0504
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Text: Manfred Rüscher – Fotos: TBF/Wolfgang Freywald

Lübeck. Eintopf mit grünen Bohnen steht am 14. Mai auf der Speisekarte der Flender-Kantine – gemeint ist der Mai 2003. Die vergessene Karte im leicht verwitterten Aushangkasten am Osttor des Werftgeländes gehört ebenso zu den letzten Zeugnissen lübscher Schiffbaugeschichte, wie ein paar Kartons mit Porzellan auf denen das „FW“ prangt, bauchigen Kaffeekannen, Sicherheitshelmen und einem Stapel Flender-Prospekten – sorgsam gehütet im Büro von Diplom-Ingenieur Erich Schulz….Der 56jährige, der vor 30 Jahren auf der Werft anfing, gehört zu den letzten 20 Mitarbeitern, die – neben dem Hamburger Insolvenzverwalter – für eine ordentliche Abwicklung der im Juni 2002 insolvent gemeldeten im Jahre 1917 von August Flender gegründeten Traditionswerft sorgen.

„Es ist schon traurig, wenn man jetzt über das Gelände schaut und alles ist still“, sagt Erich Schulz. Das Gelände selbst mit den riesigen Portalkränen, dem Dock und den Materiallagern sieht zwar noch aus wie eine Werft, aber etwas fehlt: Menschen und Schiffe. Gras wuchert zwischen den Betonplatten, in den Pförtnerbuden liegen vergilbte Papiere, die Telefone klingeln längst nicht mehr. Einst arbeiteten rund 4.000 Arbeiter und Angestellte auf der Werft, das war Mitte der fünfziger Jahre. Zuletzt waren es noch 800, dazwischen liegen 694 Stapelläufe. Zwei Schiffe, beides besonders luxuriös ausgestattete Fähren, wurden trotz allem noch fertig gestellt, diese beiden Schiffe waren es auch, die wegen unvorhergesehener Zusatzarbeiten und Managementfehlern das Finanzpolster der Werft zunichte machten. Der letzte Stapellauf geschah am 8. April 2003. „Vielleicht wäre alles anders geworden, wenn wir erst jetzt in diese Situation gekommen wären, es sind immerhin zwei Jahre vergangen – aber damals war einfach nichts zu machen“, überlegt Erich Schulz und wiederholt leise ein „vielleicht“.
Die 400.000 Quadratmeter Grund und Boden sind längst verkauft, eine Lübecker Reederei möchte auf dem Areal neue RoRo-Terminals bauen. Was mit den „mobilen“ Objekten geschieht, ist noch unklar. Einige Maschinen sind inzwischen verkauft, „es sollte keine Versteigerung geben, der Insolvenzverwalter wollte alles komplett verkaufen“, sagt Schulz und erklärt auch, warum: „Bei einer Versteigerung wäre die Wehmut noch größer geworden.“ Bis Ende dieses Jahres soll, so jedenfalls die Planung, das Flender-Gelände „besenrein“ sein.
Zu den dicksten Brocken des mobilen Inventars gehören – neben einem halben Dutzend kleinerer Kräne – die beiden 150-Tonnen-Portalkräne. „Da rechnen Interessenten trotz eines möglicher weise günstigen Preises schon sehr genau, immerhin müssen die Kosten für Ab- und Aufbau sowie die Transportkosten dazu gerechnet werden“, sagt Erich Schulz. In einem festgelegten Turnus werden alle Kräne betriebsbereit gehalten – sämtliche Funktionen werden überprüft. „Das muss aus Sicherheitsgründen einfach sein.“
Vieles aus dem Flender-Archiv hat die Lübecker Geschichtswerkstatt Herrenwyk bekommen, die großen Schiffsmodelle aus der Eingangshalle des alten Verwaltungsgebäudes gingen an Sammler. Was mit dem grauen Gebäude unweit der Herrenbrücke geschehen soll, steht noch nicht fest. „Es steht nicht unter Denkmalschutz, obwohl die Denkmalpflege es wohl für schutzwürdig erkennen würde“, sagt Schulz.

Die Besucher des 31. Deutschen Seeschifffahrtstages, der an diesem Wochenende mit einem bunten Rahmenprogramm (Hafenkonzert, „Open Ship“, Vorführungen und Flaggenparade) zehntausende von Gästen in die Hansestadt locken soll, bemerken nichts von der Trostlosigkeit auf dem Werftgelände, der Name Flender spielt bei den Fachtagungen und Empfängen keine Rolle mehr.

TBF am 16. Mai 2004, 19:39 Uhr

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