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Dienstag, 12. Dezember 2017 17:15:35 Uhr

Buch von Therese Chromik

Eine extreme Abbreviatur und eine partiell komplexe Arbitrarität prägen die doppeldeutige, intensive und fokussierte Lyrik. Das Leben wird als Essay interpretiert und die innere Unsicherheit subtil gestaltet. Bei dieser feinsinnigen Lyrik, die bisweilen auch gegen den Strich gebürstet ist, muss man zwischen den Zeilen lesen. Sie ist existenzialistisch orientiert und philosophisch und religiös inspiriert. Fragend und bohrend wird die innere Abspaltung mit einer originellen lyrischen Unschärferelation reflektiert. Die Autorin sucht eindringlich nach ihrer Identität und der Beziehung vom Ich zum Du und bringt erschütternd und ergreifend die Angst, Depressionen, Melancholie, die Disharmonie und der eigene Zwiespalt zur Sprache. Die oft zugespitzten Gedichte enthalten überraschende Kontraste und Brechungen und eine kühne Metaphorik.

Gefühl und Verstand werden akrobatisch, artifiziell und intellektuell virtuos und brillant verbunden. Die ausgefeilten und erlesenen Poeme beinhalten reizvolle Märchenelemente und interessante surrealistische und expressionistische Wendungen, Neologismen und phantasievolle Montagen und Collagen. In der psychologisch aufschlussreichen Lyrik findet ein eindrucksvoller Austausch zwischen Bewusstem und Unbewusstem statt. Die Dichterin der Desillusionierung, die zunächst Illusionen generiert hatte, zieht tief- und hintergründig Bilanz. Farbenreiche Impressionen werden mit einer vielschichtigen Bildlichkeit kunstvoll zu einem Mosaik geformt.

Die sensible Autorin schreibt ideen- und assoziationsreich. Die Lyrik, die auch durch enigmatische und kryptische Elemente akzentuiert ist, mutet bisweilen etwas kafkaesk an. Therese Chromik kommt bisweilen auch ulkig, drollig, selbstironisch und selbstkritisch daher. Sie entwickelt bei ihrer literarischen Topographie reizvolle Wort- und Sprachlandschaften und beschreitet oft mit interessanten klassischen Bezügen den Weg von der Natur- zur Gedankenlyrik. Der Leser entdeckt auch manchmal ursprüngliche und archaische Aspekte.

Viele Facetten und Nuancen des Unbewussten und eine subtile poetologische Selbstreflexion kennzeichnen den Lyrikband. Zynisch, sarkastisch und bitterböse greift die Schriftstellerin auch soziale Mißstände auf. Der originelle Bezug zwischen Bild und Gedächtnis erinnert an das grandiose Opus von Durs Grünbein und Dieter Wellershoff. Therese Chromik betreibt auch ein Stück Moderne-Dekonstruktion und betrachtet feinsinnig den Wachstumsprozess. Bilderreich werden auch die Vereinigung mit der Natur  und die mystische Verschmelzung zwischen Ich und Du vollzogen.

Apellativ und mit erhellenden Wortspielen und Kommentaren wird eine Metamorphose geschildert. Auch die Rezeption von Poemen wird subtil reflektiert. Das Unbewusste wird phantasmagorisch und mit neuen Perspektiven und Spiegelungen freigelegt. Das Prozesshafte, das Genetische der Lyrik und die Verbindung der Kunstgattungen werden offenbart. Die feinen und zarten Gebilde enthalten ein Feuerwerk an Ideen und einen eindrucksvollen Einblick in Traum und Trance.

Die Autorin besitzt ein großes historisches Bewusstsein mit berührenden Reminiszenzen und schreibt authentisch und dokumentarisch. Sie hat stets ihr Ohr am Pulsschlag der Zeit. Die poetischen Momentaufnahmen mit dem Festhalten des Flüchtigen sind stimmungsreich und ausdrucksvoll. In den ästhetischen Idyllen und der lyrischen Wesensschau kommen Japanoisie, Chinoisie und buddhistische Elemente zum Ausdruck.

Die maritime Atmosphäre klingt mit treffsicheren Reimen und bildhaften Vergleichen eindrucksvoll an, wobei die Wahrnehmungs- und Ausdrucksfähigkeit kunstvoll erweitert wird. Auch sexuell konnotierte Wünsche, die Kritik an der menschlichen Hybris und die Sehnsucht werden lyrisch transformiert. Die Macht der Sprache wird subtil reflektiert.

Lutz Gallinat

Luebecker Dienstleistungskontor am 14. Januar 2015, 15:13 Uhr

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