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Donnerstag, 29. Oktober 2020 06:24:58 Uhr

32 Christen berichten von massiven religiösen Übergriffen und Morddrohungen

Open_Doors_Nachrichten_Banner_600x16832 Christen berich­ten von mas­si­ven reli­giö­sen Übergriffen und Morddrohungen – [25. Oktober 2016] In der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung (HEAE) Rotenburg a. d. Fulda war es zu einer Vielzahl reli­gi­ös moti­vier­ter Übergriffe gegen Christen gekom­men. Eine Gruppe ira­ni­scher Betroffener ver­fass­te des­halb im Juli einen schrift­li­chen Hilferuf. Auch die Heimleitung wur­de infor­miert und lei­te­te dar­auf­hin gemein­sam mit dem Regierungspräsidium Gießen Maßnahmen zum Schutz der Betroffenen ein. Das über­kon­fes­sio­nel­le christ­li­che Hilfswerk Open Doors hat die Vorfälle doku­men­tiert und am 24. Oktober ver­öf­fent­licht [www.opendoors.de/bericht-rotenburg-2016].

Klima der Angst bei Befragung durch­bro­chen
Bereits am 17.10. ver­öf­fent­lich­te Open Doors im Rahmen einer Pressekonferenz eine Erhebung [www.opendoors.de/fluechtlingsbericht], in der bun­des­weit 743 christ­li­che Flüchtlinge von reli­gi­ös moti­vier­ter Gewalt und Diskriminierung in deut­schen Asylunterkünften berich­te­ten. Ein zen­tra­les Problem: Viele Betroffene leben in einem Klima der Angst und sind aus Furcht vor wei­te­ren Übergriffen nicht bereit, von ihren Erfahrungen zu berich­ten. In der HEAE Rotenburg befan­den sich zum Zeitpunkt der Recherche im Juli unter den etwa 700 zumeist mus­li­mi­schen Flüchtlingen 49 christ­li­che Flüchtlinge. Jeder ein­zel­ne von ihnen hat mas­si­ve Diskriminierung oder Morddrohungen bis hin zu gewalt­sa­men Übergriffen erlebt. 32 der Betroffenen stimm­ten einer anony­mi­sier­ten Veröffentlichung ihrer Schilderungen zu, nach­dem vor Ort ein Schutzrahmen für sie geschaf­fen und durch zahl­rei­che Gespräche Vertrauen auf­ge­baut wor­den war.

„Jetzt ist die Zeit, den Ungläubigen die Köpfe abzu­schnei­den!“
Die Aussagen der Betroffenen offen­ba­ren ein reli­giö­ses Verständnis auf Seiten der Angreifer, das wie in ihren Herkunftsländern von Hass und Verachtung für „Ungläubige“ – also Nichtmuslime – geprägt ist. Ein trau­ri­ger Höhepunkt war der an eine Wand geschrie­be­ne Aufruf, „den Ungläubigen die Köpfe abzu­schnei­den“, der zur zwi­schen­zeit­li­chen Evakuierung der Christen führ­te. Er steht in einer Reihe regel­mä­ßi­ger Morddrohungen, denen beson­ders Konvertiten aus­ge­setzt sind. So berich­tet ein Betroffener, man habe zu ihm gesagt: „‚Wir wer­den dich umbrin­gen, wir rei­ßen dei­ne Leber her­aus und rei­ßen sie in Stücke.‘ Sie sag­ten, ich hät­te mei­ne Religion ver­kauft und wäre ein Ungläubiger.“  Und an ande­rer Stelle: „Sie sag­ten, ich hät­te mei­ne Religion ver­kauft und des­halb dürf­ten sie mich sogar ver­ge­wal­ti­gen. Sie ris­sen mir die Hose her­un­ter, um mich zu demü­ti­gen.“ Auch eini­ge der Mitarbeiter in den Bereichen Übersetzung, Security und ande­re Dienste, vie­le selbst mit Migrationshintergrund, waren nach Aussagen der Betroffenen maß­geb­lich an der Diskriminierung von christ­li­chen Flüchtlingen bzw. der Verschleierung der Zustände betei­ligt.

Hessische Landesregierung beschließt Maßnahmen zum Schutz reli­giö­ser Minderheiten
Im Rahmen eines Treffens im August 2016 hat der geschäfts­füh­ren­de Vorstandsvorsitzende von Open Doors Deutschland, Markus Rode, dem hes­si­schen Innenminister Peter Beuth eine Erstfassung des nun vor­lie­gen­den Rotenburg-​Berichts über­ge­ben. Innenminister Beuth ver­sprach, sich der Problematik in sei­nem Bundesland ver­stärkt anzu­neh­men. Mittlerweile haben das hes­si­sche Innen- sowie das Sozialministerium gemein­sam mit Kirchenvertretern einen Aktionsplan zur Optimierung des Schutzes von reli­giö­sen Minderheiten unter den Flüchtlingen erar­bei­tet. Eine stich­punkt­ar­ti­ge Darstellung der ent­spre­chen­den Maßnahmen ist in der am 17. Oktober ver­öf­fent­lich­ten neu­en Erhebung von Open Doors auf S. 16–17 nach­zu­le­sen oder direkt online ein­seh­bar [www.opendoors.de/massnahmen-hessen]. Der Aktionsplan stellt viel­ver­spre­chen­de Lösungsansätze dar, die modell­haf­ten Charakter auch für ande­re Bundesländer haben könn­ten. Ihre Wirksamkeit wird aller­dings von der Umsetzung vor Ort abhän­gen.

Rotenburg als weg­wei­sen­des Beispiel
Damit die Übergriffe aus der HEAE Rotenburg bekannt wer­den konn­ten, war die gute Zusammenarbeit von u. a. Heimleitung, Polizei und dem hes­si­schen Innenministerium ent­schei­dend. Ohne die Schaffung eines Schutzraums und die Entwicklung einer Vertrauensbasis wäre die Situation der Betroffenen ver­bor­gen geblie­ben. Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass in ande­ren deut­schen Unterkünften ähn­li­che Zustände herr­schen, die erst durch ver­gleich­ba­re Anstrengungen ermit­telt wer­den kön­nen.

Markus Rode: „Es ist eine vor­dring­li­che Aufgabe im Sinne reli­gi­ös Verfolgter unter den Flüchtlingen, das Klima der Angst zu durch­bre­chen und – wie in Rotenburg gesche­hen – wirk­sa­me Schutzmechanismen zu eta­blie­ren. Das ist in vie­len Unterkünften lei­der noch nicht der Fall. An die­ser Stelle kann der Maßnahmenkatalog der hes­si­schen Landesregierung weg­wei­send sein.“

 

TBF am 25. Oktober 2016, 18:34 Uhr

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